Glücksspiele werden in Deutschland streng reguliert. Insbesondere bei Online-Glücksspielen gibt es strikte Zugangskontrollen, denn die Produkte sind ausschließlich volljährigen Personen mit Wohnsitz in Deutschland vorbehalten. Zumindest gilt dies im legalen Markt, der im internationalen Vergleich verhältnismäßig jung ist. Wer legal spielen möchte, muss seine Identität bis ins kleinste Detail darlegen. Ausweisdokumente, Adressnachweise und teilweise sogar Bonitätsnachweise, wenn etwas mehr Geld im Spiel sein soll.
In der Praxis schrecken diese Kontrollmaßnahmen viele Spieler ab. Statt sich gegenüber den lizenzierten Anbietern und Kontrollbehörden gläsern zu machen, zieht es sie in den Schwarzmarkt. Was erst einmal nach Extraanstrengung für den Spieler klingt, ist in Wahrheit meist noch einfacher als sich bei legalen Anbietern zu registrieren und zu verifizieren. Der Spielerschutz bleibt damit oft doppelt auf der Strecke.
Millionen von Online-Casinos im Netz
Das Problem liegt nicht direkt im legalen Markt und auch nicht bei all jenen international tätigen Anbietern, die nach deutschen Standards zumindest als halbwegs seriös einzustufen sind. Weder Anbieter mit EU-Sitz in Malta oder Zypern noch jene in Großbritannien oder auf der anderen Seite des Atlantiks auf diversen Karibikinseln sind pauschal unseriös oder gefährlich für deutsche Spieler.
Wenn Deutschland aber verhindern will, dass Spieler diese Portale nutzen, dann muss es hierzulande bessere bzw. attraktivere Angebote geben als das, was Offshore geboten wird. Spieler, die nach hohen Bonus-Angeboten und möglichst wenigen Limits suchen, werden im Netz ohne weiteres fündig. Welche Plattformen es unter anderem gibt, kann man beispielsweise hier erfahren.
Aktuell ist die Auswahl an Online-Casinospielen in Deutschland gelinde gesagt stark begrenzt. Richtige Online-Casinospiele wie Roulette, Blackjack oder Baccarat gibt es sogar gar nicht in legaler Form verfügbar für ganz Deutschland. Bislang sind solche Angebote nur in Bayern und Schleswig-Holstein überhaupt vorhanden und auch da nur sehr eingeschränkt.
Zwar gibt es in sogenannten Online-Spielotheken inzwischen viele Hundert Online-Slots, die innerhalb Deutschlands überall legal sind, aber die legalen Anbieter dafür stoßen im Wettbewerb gegen den Schwarzmarkt sehr schnell an ihre Grenzen. Mit Schwarzmarkt sind dabei schlichtweg alle Anbieter gemeint, die in Deutschland nicht über eine Lizenz verfügen.
Wie Überregulierung das Angebot drückt
Online-Glücksspiele gibt es in Deutschland nicht erst seit Inkrafttreten des Glücksspielstaatsvertrags 2021. Das Gesetz kam rund 20 Jahre zu spät, als Millionen von Deutschen bereits gelegentlich oder auch regelmäßig auf ausländischen Casino-Portalen ihr Glück versucht haben.
Branchenverbände haben das Gesetz und die damit einhergehende Legalisierung verschiedener Online-Glücksspiele zwar begrüßt, parallel dazu aber auch stets die vielen Einschränkungen für den legalen Markt kritisiert. Das Hauptproblem ist dabei die Spielvielfalt. Legale Anbieter müssen die einzelnen Glücksspiele sauber voneinander trennen.
Es gibt Plattformen für Sportwetten, einige wenige Poker-Websites, Online-Spielotheken für ausschließlich Online-Slots und dann die Online-Casinos, in denen zumindest ein paar Roulette- oder Blackjack-Tische bereitstehen. Die Betreiber von Online-Spielotheken aber dürfen zum Beispiel nicht gleichzeitig ein Online-Casino sein oder Poker anbieten.
Spieler, die sich für mehr als eine Spielform interessieren, müssen sich also bei verschiedenen Anbietern registrieren. Ob das wirklich im Sinne des Gesetzgebers war? Gleichzeitig sieht das Gesetz Maßnahmen vor, die den Spielfluss stark beeinflussen. Künstliche Verzögerungen und Pausen sollen das Spiel entschleunigen und bewusst weniger spannend machen.
Das mag in der Theorie durchaus den gewünschten Effekt erzielen, aber dieser Effekt hat dann wiederum häufig zur Folge, dass Spieler schlicht in den illegalen Markt wechseln, wo es genau solche Spannungs-Hemmer nicht gibt.
Maximal ein Euro pro Spielrunde – Kein Raum für Highroller in Deutschland
Was den Geldfluss im Online-Glücksspiel betrifft, gibt es ebenfalls sehr strikte Limits im legalen Markt. Diese Limits betreffen alle lizenzierten Anbieter und sind teilweise anbieterübergreifend. So dürfen Spieler zum Beispiel maximal 1.000 € im Monat einzahlen. Das mag zwar für die meisten Menschen sehr viel Geld sein, aber es schließt auch automatisch jene Spieler aus, die durchaus das nötige Kleingeld hätten, um mehr zu setzen.
Während es absolut zu begrüßen ist, dass aufgepasst wird, dass Spieler nicht ihre gesamten Einkünfte verspielen, sind solche pauschalen Regelungen oft auch kontraproduktiv. Denn diejenigen, denen es im Geldbeutel wirklich nicht weh tut, verschlägt es wieder mal mit nur wenigen Klicks in den Schwarzmarkt.
Für Spieler noch deutlich unbequemer als das monatliche Einzahlungslimit ist hingegen das Einsatzlimit pro Spielrunde. Das liegt nämlich bei nur 1 €. Auch das dämpft die Attraktivität der legalen Angebote maßgeblich, und zwar nicht wegen des Einsatzes selbst, sondern weil mathematisch geknüpft an diesen Einsatz entsprechend auch die möglichen Gewinne gedeckelt sind.
Wenn ein Slot einen Hauptgewinn des 1.000-fachen des Spieleinsatzes hat, dann macht es sehr wohl einen Unterschied, ob man 1 € oder eben 10 € pro Spiel setzen kann.
Was tut Deutschland gegen den Schwarzmarkt?
Einen sensiblen Bereich wie das Glücksspiel einheitlich zu regulieren, ist grundsätzlich sehr vernünftig und wünschenswert. Natürlich müssen Minderjährige vom Glücksspiel ausgeschlossen werden und wer ein problematisches Spielverhalten entwickelt, muss geschützt werden und sich permanent sperren können.
Der Glücksspielstaatsvertrag ist im Ansatz ein sehr sinnvolles Gesetz und selbstverständlich muss den lizenzierten Anbietern ganz genau auf die Finger geschaut werden. Solange aber parallel ein unermesslich großer Schwarzmarkt im Internet fortbesteht, bringt es nichts, die wenigen legalen Anbieter zunehmend einzuschränken und zu versuchen, den Menschen das Glücksspiel einfach unappetitlich zu machen.
Wer spielen will, findet immer einen Weg. Das betrifft leider gerade diejenigen, die eben nicht spielen sollten. Genau diese Menschen müssen viel besser geschützt werden. Dass die OASIS-Spielersperre den gesamten legalen Markt umfasst, ist ein enorm wichtiger erster Schritt. Gleichzeitig müsste aber dringend auch der Zugang zu illegalen Seiten blockiert werden.
Wenn es wirklich das Ziel der Gesetzgeber und Behörden ist, illegale Anbieter zu stoppen, dann muss hier endlich konsequent gehandelt werden. Zum einen können Webseiten über DNS-Blocking gesperrt werden, zum anderen kann man bei den Zahlungsströmen ansetzen und diese unterbinden. Dass das geht, haben andere europäische Länder längst vorgemacht.
Fazit: Mehr Eigenverantwortung in einem großzügigen legalen Rahmen?
Sollte es gelingen, den Zugang zu illegalen Seiten effizienter zu stoppen, so bleibt noch immer das Problem der deutlich geringeren Attraktivität legaler Angebote. Online-Glücksspiele sollten sich zumindest so entfalten können wie ihre landbasierten Pendants in Spielbanken, Spielotheken, Wettbüros oder im Lotto-Geschäft.
Wer in Deutschland eine staatlich konzessionierte Spielbank betritt, sieht sich mit nur sehr wenigen tatsächlichen Limits konfrontiert. Hier wird noch auf den gesunden Menschenverstand und die Eigenverantwortung vertraut. Online hingegen zeigt sich der Nanny-Staat in voller Größe.
Dabei wäre ein legaler und gleichzeitig attraktiver Markt relativ leicht realisierbar. Natürlich würde es strikte Alterskontrollen geben und auch die Spielersperre ist ein Muss. Das Spielangebot sollte jedoch deutlich größer und flexibler sein, während die Einsatzhöhe allein dem Spieler obliegen sollte. Individuelle Limits können das ganze sinnvoll einrahmen.


