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Samstag, April 18, 2026
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Evaluation des Glücksspielstaatsvertrages in 2026: Die große Abrechnung?

Seit 2021 gilt in Deutschland der Glücksspielstaatsvertrag und ist für die Regulierung des Glücksspiels zuständig. Jetzt steht für 2026 die Evaluierung vor der Tür, denn ab 2028 wird es eine neue Version geben. Es wurde von Anfang an festgelegt, dass fünf Jahre nach dem Erscheinen des ersten GlüStV geprüft werden muss, ob die neuen Regeln erfolgreich waren. Die bisherigen Erkenntnisse zeigen, dass da einiges nicht so gelaufen ist, wie es ursprünglich vorgesehen war.

Der Glücksspielstaatsvertrag erntete nicht nur viel Kritik von Spielern, sondern auch von Interessenverbänden. Jetzt wird sich zeigen, ob auch 2028 alles so weitergehen kann oder ob Neuerungen erforderlich sind. Es zeichnet sich bereits ab, dass sich der GlüStV in der jetzigen Variante so nicht weiterführen lässt.

Glücksspiel seit 2021 mit strenger Regulierung erlaubt

2021 wurde aus einem bundeslandabhängigen Flickenteppich mit unterschiedlichen Gesetzen erstmals eine einheitliche Regelung. 

Ziel des GlüStV war:

  • Spielern mehr Sicherheit zu bieten
  • Glücksspielbetreiber auf dem deutschen Markt zu etablieren
  • sämtliche Formen des Glücksspiels von zentraler Stelle zu überwachen

Doch was in der Theorie als Schutzmaßnahmen gilt, wird von vielen Spielern als Einschränkung wahrgenommen und auch Glücksspielbetreiber selbst waren von Anfang an mit den Regulierungsmaßnahmen nicht glücklich. 

So dürfen sie beispielsweise zwar mit einem Casino Bonus ohne Einzahlung auf Kundenfang gehen, aber nur sehr eingeschränkt werben. Auf der anderen Seite stehen all jene Anbieter aus dem Ausland, die verbotenerweise Werbung machen und reihenweise Spieler für sich gewinnen.

Waren die Regulierungsmaßnahmen wirklich im Sinne von Spielern und Spielanbietern oder wurde hier von theoretisch denkenden Köpfen zu stark über das Ziel hinausgeschossen?

Die wichtigsten Merkmale des Regelwerks sind:

  • Einzahlungen wurden auf 1.000 Euro pro Monat und Spieler limitiert.
  • Es wurde eine Spieleinsatzsteuer von 5,3 Prozent etabliert.
  • Klassisches Casinospiel wie Roulette wurde verboten.
  • Spieler werden über die OASIS-Spielersperrdatei überprüft.
  • Die maximale Einsatzhöhe am Spielautomaten wurde auf 1,00 Euro begrenzt.
  • Poker, Sportwetten und Spielautomaten dürfen nur getrennt voneinander angeboten werden.

Auch wenn der Spielerschutz als Maßnahme sinnvoll und wichtig ist, erschienen die Regeln von Anfang an überzogen und „zu hart“. Das zeigte sich spätestens 2023 auch auf dem Papier. Eine Studie aus Leipzig belegte, dass sich das Glücksspiel immer stärker auf den Schwarzmarkt verteilte, anstatt wie gewünscht im legalen Bereich.

Verbotene Casinospiele als Stein des Anstoßes

Was sind die Vorwürfe der Kritiker? Es ist richtig und wichtig, gegen Spielsucht vorzugehen, aufzuklären und Hilfsmaßnahmen anzubieten. Spielsüchtige Menschen spielen am häufigsten an Spielautomaten, erst danach kommen Casinospiele, Sportwetten oder Kartenspiele. Es stellte sich daher von Anfang an die Frage, warum die beliebten Casinospiele weichen mussten.

Dieser Punkt wird von Kritikern immer wieder als Erklärung dafür verwendet, warum der Schwarzmarkt trotz Regulierung so stark ist. Lassen sich Menschen wirklich die Teilnahme am Tischspiel verbieten, wenn sie Angebote finden?

Mittlerweile haben auch einzelne Bundesländer erkannt, dass das generelle Verbot ein Fehler war und gehen Sonderwege. Die Spielbanken Bayern haben ihr Angebot beispielsweise um ein Internetangebot erweitert und bieten Spielern aus Bayern offiziell die Teilnahme an Roulette und Co. an.

Schleswig-Holstein geht noch einen Schritt weiter und vergibt vier Lizenzen an private Glücksspielanbieter. Auch diese dürfen Casinospiele ins Portfolio nehmen. Das Angebot gilt nur für Spieler aus dem jeweiligen Bundesland. Hessische Gambler dürfen beispielsweise nicht in Bayern spielen und umgekehrt.

Andere Bundesländer haben das Potenzial erkannt und wollen nachziehen. Im Hinblick auf die Evaluierung stellt sich die Frage, ob eine bundeseinheitliche Neuregelung in diesem Punkt sinnvoll wäre. Wenn Casinospiele bezüglich der Suchtgefahr noch hinter Spielautomaten liegen und wenn der Bedarf vorhanden ist, könnte ein reguliertes Angebot für deutlich mehr Sicherheit sorgen.  

Steuern als großes Problem für beide Seiten

Glücksspielanbieter zahlen Steuern und leisten damit einen wirtschaftlichen Beitrag in die Staatskasse. Das ist in jedem Land so, einige Länder (wie z.B. Malta), punkten aber bei Spielebetreibern immer wieder mit besonders günstigen Steuersätzen.

Deutschland hatte sich 2021 hier für einen Sonderweg entschieden und wich von sämtlichen anderen Märkten Europas ab. Anstatt die Bruttospielerträge zu besteuern, setzte man auf eine Spieleinsatzsteuer. Jeder vom Spieler getätigte Einsatz wird mit 5,3 Prozent besteuert, und zwar unabhängig davon, ob der Spieler Geld gewinnt oder verliert. Im Worstcase muss der Betreiber also Steuern auf einen Einsatz zahlen und gleichzeitig noch einen hohen Gewinn an den Spieler ausschütten.

Aus wirtschaftlicher Sicht ist dieses Vorgehen für Betreiber nicht hinnehmbar. Folglich brauchte es eine Lösung und die wurde gefunden. Anbieter mit deutscher Lizenz entschieden sich dafür, den RTP (Return to Player = Auszahlungsquote) zu senken und damit die Gewinnwahrscheinlichkeit der Spieler zu reduzieren.

Beispiel: Der RTP wird prozentual angegeben. Beträgt er bei einem Spielautomaten 95 Prozent, schüttet dieser Automat im Laufe einer bestimmten Zeit 95 Prozent der Einnahmen wieder an die Spieler aus. Muss der RTP nun bedingt durch die Steuer auf 85 Prozent gesenkt werden, sinken die Gewinnchancen des Spielers.

Aus Spielersicht ist es verständlich, die bestmöglichen Gewinnchancen mitnehmen zu wollen. Der Spieler sucht sich also ein Angebot aus dem Ausland und spielt mit besseren Chancen. Auch hier sollte bei der Evaluierung des GlüStV dringend besprochen werden, ob diese Form der Besteuerung noch sinnvoll ist. Frankreich war neben Deutschland lange das einzige Land, das diesen Sonderweg ging. Bei den Nachbarn rückte man schließlich ab und schwenkte auf die Bruttospielertragssteuer um. Es wäre wünschenswert, dass Deutschland den Weg mitgeht.

Fazit: Es muss 2026 dringend gesprochen werden!

Die Evaluierung 2026 ist dringend nötig, denn die jetzige Form des Glücksspielstaatsvertrags ist aus Sicht von Interessenverbänden nicht mehr tragbar. Nutznießer der Unzufriedenheit sind Anbieter aus Europa, die nicht zwangsläufig unseriös sein müssen. Sie haben zwar keine Lizenz in Deutschland, werden aber trotzdem mehrheitlich von der Malta Gaming Authority lizenziert und auch entsprechend kontrolliert und überwacht.

Spieler müssen sich also nicht zwischen einem komplett unseriösen und einem seriösen Angebot unterscheiden, sondern lediglich zwischen einem erlaubten und einem unerlaubten. Und da hier immer noch diskutiert wird, ob das Angebot im Sinne des EU-Dienstleistungsfreiheitsgesetzes eigentlich erlaubt sein müsste, spielt das den Anbietern in die Hände. Sie werben gezielt nach unzufriedenen Spielern aus Deutschland und tragen so zum Umsatzverlust der legalen Anbietern bei.

Wie sich die Evaluierung gestaltet und ob es 2028 eine funktionierende Neufassung des Glücksspielstaatsvertrags geben wird, steht bislang in den Sternen. 

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