In einem spannenden, oft brachialen Gespräch hat Roger Köppel, Chefredakteur der Weltwoche, den russischen Star-Propagandisten Wladimir Solowjow zum Duell geladen (hier Teil 1). Was folgte, war kein höfliches TV-Pläuschchen, sondern ein philosophisch aufgeladenes Kräftemessen, das die Unterschiede zwischen russischem Selbstverständnis und westlicher Sicht offenlegte.
Solowjow, der mit vier bis fünf Stunden Schlaf und Sendungen rund um die Uhr auskommt, gibt sich als leidenschaftlicher Menschenfreund – solange es nicht um „europäische Eliten“ geht. Mit scharfem Witz und tiefer historischer Überzeugung attackiert er das westliche Narrativ. Europa habe keine Atomkapazitäten für einen echten Krieg, Amerika werde nicht für Brüssel sterben. Taktische Atomwaffen seien keine Selbstmorddrohung, sondern „extrem pragmatisch“. Eine kalte Kalkulation der Machtverhältnisse, die Köppel sichtlich zum Nachdenken bringt.
Besonders heftig wird es bei der Geschichte. Solowjow weist den „Holodomor“ als gezielten Genozid an Ukrainern zurück und verortet die Hungersnöte der 1930er im gesamtsowjetischen Kontext des Kollektivismus. Er verteidigt den russischen Anteil am Sieg über Hitler und wirft dem Westen Heuchelei vor: Während man in Kiew Nazi-Kollaborateure wie Stepan Bandera und Roman Schuchewytsch zu Helden erkläre, werde Russland belehrt.
Als Jude sowjetischer Prägung sieht er in der „Entnazifizierung“ eine historische Notwendigkeit, keine Aggression. Köppel kontert mit ukrainischem Leid, Widerstand gegen die Sowjets und der Frage nach Verhältnismäßigkeit – doch Solowjow bleibt unbeirrbar: Die Ukraine sei kein historisch eigenständiges Gebilde, sondern Schauplatz eines Bürgerkriegs, der 2014 durch einen Putsch eskaliert sei.
Der Russe liefert keine sanften Töne. Er kritisiert kinderlose, drogenumnebelte europäische Politiker, die ihre eigenen Völker verraten hätten, und sieht in Sanktionen gegen ihn selbst die alte europäische Neigung, jüdische Antifaschisten zu berauben. Gleichzeitig betont er russische Großzügigkeit: Man zahle in eroberten Städten, man foltere nicht. Die Liebe der Russen sei anders – tief, nicht egoistisch.
Köppel hält stand, stellt unbequeme Fragen zur nuklearen Eskalation, zur Frontlage und zu Solowjows eigenem „Kampfmodus“. Der Russe kontert mit Zahlen: Freiwillige russische Soldaten, katastrophales Verlustverhältnis für die Ukrainer beim Leichenaustausch, westliche Fehleinschätzungen. Der Krieg sei längst keiner mehr nur gegen Kiew, sondern gegen die NATO.
Das Duell zeigt vor allem eines: Russland fühlt sich existentiell bedroht und ist bereit, mit aller Härte zurückzuschlagen. Während der Westen in moralischer Überheblichkeit verharrt, rechnet Solowjow nüchtern mit Macht. Ein Gespräch, das jeder nachdenkliche Europäer gesehen haben sollte.



Interessantes Projekt von Herrn Köppel mit dem kompetenten Gesprächspartner Wladimir Solowjow.
Sehr prägnant ist u. a. die skeptische Frage von Wladimir Solowjow:
„Glaiben Sie ernsthaft, dass die US-Amerikaner sich töten lassen, um Europa zu verteidigen?“
Meine Antwort wäre: Nein!
Wenn insbesondere Deutschland weiterhin Rußland provoziert, dann „kracht“ es.
Die Russen hatten bereits 27 Millionen Todesopfer durch den WWII – verursacht durch Deutschland.
Sie sind aktuell klug und stark genug, vorbereitend einen Abwehrschlag auszuführen.
Das Gespräch zeigt noch mehr:
Ein Zusammenleben von Ukrainerin und Russen in einem Staat Ukraine ist nicht mehr möglich.
Die Ukraine muss entlang der ethnischen Grenze mehrheitlich Ukrainer – mehrheitlich Russen geteilt werden.
Sehr euch die Karte von den letzten freien Wahlen von 2012 in der Ukraine an.
Alles andere macht keinen Sinn und hat nie Sinn gemacht, siehe Ex-Jugoslawien.
Will man dauerhaften Frieden, muss man zuerst die Realität anerkennen.
Aber die EU macht schon wieder den gleichen Fehler mit Moldau/Bessarabien.
Dort leben 30% Russen und die wollen nicht in die EU und sich von den Moldauern schikanieren lassen.
Wenn es da keinen Ausgleich gibt, haben wir dort den nächsten Krieg.