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Tatsachen und die verwunderte Irritation

Von RAINER K. KÄMPF | Björn Höcke geht durch die Decke. Genauer gesagt, sein Podcast bei „Weltwoche Daily“ (PI-NEWS berichtete). Roger Köppel knüpft bei Ben Berndt an und gibt dem wohl streitbarsten AfD-Politiker Raum und Zeit, den Deutschen, der Politik und seiner Partei die Gelegenheit zu bieten, sich mit objektiven Tatsachen unvoreingenommen auseinanderzusetzen.

Wenn ein Gespräch binnen kurzer Zeit eine so große Reichweite zur Folge hat und Diskussion als auch Widerspruch hervorruft, werten wir das getrost als Qualitätsmerkmal. Daß Björn Höcke polarisiert, wird ihm oft vorgeworfen. Wir wissen das und warten immer wieder darauf.

Ohne die Polarisation, ohne den ungefilterten Umgang mit Tatsachen und Hypothesen wäre die Politik langweilig. Und mit Verlaub, der AfD selbst würde ein gehörig Maß an Tiefgründigkeit und Streitlust abhandenkommen. Genau die aber braucht das Land.

Erfolgreiche Politik ist keine schöngeistige Sonntagsmatinee, sondern Streit um die besten Lösungen und den effektivsten Weg dahin. Schöngeistig kann sein, solang die Glaubwürdigkeit nicht darunter leidet.

Ein Stein des Anstoßes soll die Feststellung sein, die Westdeutschen seien „deutsch sprechende Amerikaner“. An sich eine nette Umschreibung der Prägung unserer Landsleute aus den gebrauchten Bundesländern. Kniffe man nicht reflexhaft die Augen zu, könnte festgestellt werden, daß dem in vielen Fällen so ist. Das ist auch vollkommen natürlich und folgerichtig nach Jahrzehnten US-amerikanischer Prägung des öffentlichen Raums und der gesellschaftlichen Tendenz in allen Richtungen. Der amerikanische Traum wurde den Westdeutschen während der Teilung als Give-away übergeholfen.

Geht ein Traum jedoch nicht so richtig in Erfüllung, sollte ein abruptes Erwachen die Folge sein, einhergehend mit realer Ernüchterung. Auf diesen Zustand warten viele „Dunkel“deutsche immer noch und drücken den Landsleuten die Daumen. Dann gibt’s auch die erhoffte Chance auf die Wende 2.0.

Manches aus der Zeit des Kalten Krieges prägt bis heute Denken und Verhalten der Menschen jenseits von Werra und Elbe. Nehmen wir das aktuelle Beispiel der Rußlandfeindlichkeit bis hin zum Russenhaß.  Dem objektiven Beobachter stellt sich die Frage, warum denn beides gerade in dem Teil des wiedervereinigten Deutschlands so vordergründig ausgeprägt ist, dessen Menschen so gut wie gar keine Erfahrung im diesbezüglichen Umgang und des Miteinanders haben?

Im Osten des Nachkriegsdeutschlands war die Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland allgegenwärtiger Alltag der Besatzung. Man fragt sich, warum die ehemals sowjetisch Besetzten entspannt mit den ehemaligen Besatzern zurechtkommen können. Warum haben die Ossis in der Regel ein gelassenes Verhältnis zu Rußland und woher nehmen sie das Vermögen, objektiv mit den gegenwärtigen Bedingungen umzugehen? Vielleicht aus eigener Erfahrung heraus? Putin- oder Russenversteher jedenfalls sind im Osten kein Schimpfwort, sondern ein ausgezeichnetes Prädikat.

Die Vermutung ist nicht von der Hand zu weisen, daß gerade die ostdeutschen „Russenversteher“ eine wichtige Basis für ein nachwokes Deutschland sein werden. Schaut man sich zudem die Wahlkreiskarte aus dem Jahr 2025 an, wird bewußt, wo genau eine deutsche Zukunft liegt. Infolge der deutschen Einheit wurde von den Menschen aus der untergegangenen DDR erwartet, daß sie gefälligst vom eingefallenen Wessi lernen sollten.

Nun denn, jedes Ding ist umkehrbar…


PI-NEWS-Autor Rainer K. Kämpf hat Kriminalistik, Rechtswissenschaft und BWL studiert. Er war tätig in einer Anwaltskanzlei, Geschäftsführer einer GmbH, freier Gutachter und Sachverständiger. Politisch aktiv ist Kämpf seit 1986. Als Kommissar in spezieller Stellung im Berliner Polizeipräsidium hatte er Kontakte zum damaligen „Neuen Forum“ in den Anfängen. Er verzichtete darauf, seinem Diensteid zu folgen und folgte lieber seinem Gewissen. Bis 2019 war er Referent einer AfD-Landtagsabgeordneten in Brandenburg. Aus gesundheitlichen Gründen beendete er diese Tätigkeit und befindet sich seither im unruhigen Ruhestand.

 

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8 Kommentare

  1. Ich weiß gar nicht, warum man sich über Björn Höckes Aussage, die Westdeutschen seien „deutsch sprechende Amerikaner“, so ergeifert. Das ist doch allgemein bekannt: Die Sozialisation im Westen ist stark pro-amerikanisch geprägt. Das begann unmittelbar mit dem Kalten Krieg, in dem die Sowjetunion als Feindbild schlechthin galt und die DDR als „Ostzone“ diffamiert wurde. Zudem wurden in der Bundesrepublik zahlreiche „ehemalige“ Nationalsozialisten durch CDU und FDP in Ämter gehievt, während sich gleichzeitig über den „antifaschistischen Schutzwall“ der DDR empört wurde.
    Björn Höcke hat Recht, denn das damalige Feindbild Sowjetunion wurde jetzt durch das neue Feindbild Russische Föderation ersetzt. Es handelt sich gewissermaßen um „alten Wein in neuen Schläuchen“. Natürlich sind seine Aussagen polemisch zu verstehen, aber das macht nichts – diese Zuspitzung ist typisch für seine Brillanz und herausragende Intelligenz, denn die Politiker der Kartellparteien können ihm nicht das Wasser reichen.
    Ich möchte für die Westdeutschen „Amerikaner“ noch eine Lanze brechen und ein Lob für Donald Trump aussprechen in Bezug auf seinen jüngsten Tweet auf Truth Social, denn HEUTE NACHT wird die Islamische Republik IRAN PLATT GEMACHT:
    „Die Vereinigten Staaten werden den Iran (dessen Marine, Luftwaffe, Radar, Flugabwehr und alle anderen Verteidigungsformen sowie der Großteil seiner offensiven Fähigkeiten vollständig AUSGELÖSCHT sind!) HEUTE NACHT SEHR HART TREFFEN. In nicht allzu ferner Zukunft werden wir die Insel Kharg sowie andere Punkte der Öl-Infrastruktur übernehmen und die vollständige Kontrolle über deren Öl- und Gasmärkte übernehmen – ähnlich wie wir es mit Venezuela getan haben, was sowohl für Venezuela als auch für die Vereinigten Staaten von Amerika hervorragend funktioniert. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit in dieser Angelegenheit! Präsident DONALD J. TRUMP“

  2. Es scheint mir so, als wenn Björn Höcke inzwischen die politische Philosophie mit Satire und Provokation vermischt. Kann man machen, wenn man nichts anderes zu tun hat.
    Höckes neueste These, Westdeutsche seien „deutschsprechende Amerikaner“, klingt seltsam bis humorvoll. Was er damit ausdrücken möchte, das mutet arg wirr an.
    Ich empfehle, dass er sich eine Philosophie-Pause gönnt und zum Wochenende etwas Sinnvolles an einem
    >> Info-Stand der AfD veranstaltet, um Wähler zu werben –
    >> statt „Sprüche zu klopfen“.

  3. Was wird die Linke daraus wohl wieder machen? Dass Höcke „West“Deutsche in die USA ausweisen lassen will?

    Mmmuuuaaahahaa….

  4. Als Westdeutscher hab‘ ich mich eigentlich auch immer als deutsch sprechender Amerikaner verstanden. Sehe das Problem mit der Aussage nicht.
    Wir waren als Teenager in den 80ern z.B. mal in London, und eine Gruppe von Engländern dachte, wir seien Amerikaner. Wegen der Mode, die luxuriöser und farbenfroher war als das, was die Briten trugen. Es war einfach ein etwas anderer Stil, und unserer war näher an dem von Amerikanern. Aus Sicht der Briten. Ich hatte das davor gar nicht so wahrgenommen.
    Ok, das war natürlich letztlich Propaganda von den Amerikanern, „Re-education“ seit den 50ern. Wir waren damit aber sehr einverstanden, es ging uns damit ja sehr gut. Aber es ist natürlich Mist, wenn all das eines Tages aufbricht, und wir nach Jahrzehnten merken, daß mit den USA doch Konflikte bestehen, oder daß die uns plötzlich in eine sehr schlechte Zukunft führen wollen.
    Aber was dann? „Deutsch sein bis auf die Knochen – deutsch denken, deutsch handeln“ – Das war ja wohl nicht so gut gelaufen. Wollen wir da wieder hin? Hier, so wieder (Clip unten) ? Na, schönen Dank, muß ich nicht haben.
    https://youtu.be/uXdtafGdIVM?t=41
    Aber Altparteienkurs geht halt auch nicht weiter.

  5. „Deutschsprechende Amerikaner“ war der Michel,
    bis ein Rechter US-Präsident das Zepter übernahm.
    Der deutsche Volltrottel trauert heute noch Clinton, Obama
    und Biden nach. Alles Linke Typen, die den Deep State immer
    größer machten und das Volk zu Sklaven degradierten.
    Heute ist der westliche Doofy, durch unsere Regierung, ihre gekauften Medien
    und den mit Steuergeldern bezahlten NGOs, bereits so indoktriniert,
    dass er den US-Präsidenten mehr hasst, als Putin !

  6. rasch 11. Juni 2026 Beim 17:17
    „„Deutschsprechende Amerikaner“ war der Michel, bis ein Rechter US-Präsident das Zepter übernahm. Der deutsche … trauert heute noch Clinton, Obama
    und Biden nach.“
    ——————————————-
    What? Als deutsch sprechenden Amerikaner hätte man mich vor allem in der Reagan-Ära ansehen können. Und auch da war ich schon konservativ.
    Damals, als die Deutschen alle einen amerikanischen C64 hatten, während es sowas wie einen Heimcomputer aus Deutschland gar nicht gab.
    Oder was wäre z.B. mit jemandem wie Max Otte? Der hat ja sogar die amerikanische Staatsbürgerschaft. Trauert der Biden nach? Wohl kaum.
    Die Welt ist etwas komplexer als Sie sie sehen.

  7. Also, ich erklär‘ das nochmal (wie ich das sehe), wenn ich darf:
    Die Reagan-Ära (1981-1989) war eine sehr gute Zeit für Amerika. Und auch für uns. Es liefen „Rocky“ und „Rambo“. Und „Dirty Dancing“. Hier, so:

    https://www.youtube.com/watch?v=oRLJIQCwEvw&t=367s

    Doch ab 1990 brach alles zusammen. Erst die Mauer, dann die Kultur. Hätte man so auch nicht gedacht (Man dachte zuvor, es würde alles noch besser werden. Das war ein Irrtum).
    Sch…-Techno kam auf. „Raves“. Die Verblödung in den 90ern. „Barbie Girl“ von „Aqua“ (1997). Nachmittagstalkshows und RTL2.
    Politisch ging es auch bergab: Irak-Krieg. Brutkastenlüge. Die Amerikaner ließen sich für dumm verkaufen. Im Kosovo-Krieg ging dann auch die Bundeswehr mit. Oh, das war gar kein Verteidigungskrieg? Na, egal. Ich weiß noch, wie entsetzt ich damals war. Da war eigentlich schon das Undenkbare passiert. Das hätte nie geschehen dürfen.
    Nach dem 11. September 2001 „Krieg gegen den Terror“. Gegen Saddam Hussein? Aber der ist doch säkular, der ist doch gar kein Islamist? Egal. Wieder ließen sich die Amerikaner für dumm verkaufen. Dustin Hoffman und De Niro thematisierten das sogar, in dem Film „Wag the Dog“.
    Da begann also der Niedergang. Über Jahrzehnte. Damals hatte ich mich gefragt: Aber was ist eigentlich mit der jüngeren Generation? Mit denen, die nie die guten Zeiten in den 1980ern und davor erlebt haben, als alles noch normal was? Die immer nur die Täuschungen, die abwegigen und sinnlosen Kriege, und die Verblödung ab 1990 erlebt haben? Das ist ja schlimm, die tun mir leid! Tja, und nun ist 2026, es hat sich nichts geändert, es ist alles nur noch schlimmer geworden, und diese Generationen sind es, für die die Welt ja eigentlich da ist – denn die Welt ist ja wohl nicht für die Alten da. Was soll dabei rauskommen? Na, immerhin wenden sich auch die Jungen allmählich der AfD zu. Die Strucks Satz widerspricht, daß Deutschland am Hindukusch verteidigt werde – was ja der blanke Irrsinn war (auch schon unter Wilhelm mit seiner „Weltpolitik“).
    Also: „Deutsch sprechender Amerikaner“? Ja, Westbindung. War halt so, seit Adenauer. Doch Amerika hat sich halt auch selbst sehr schlecht entwickelt. Allein schon mit der extremen Verschuldung. Aber auch mit der „Wokeness“ – die kommt ja von da, die haben ja nicht wir uns ausgedacht! Und George W. Bush wäre ich bestimmt nirgendwohin gefolgt. 🙂
    „I believe in the country, America used to be“:
    https://www.youtube.com/watch?v=Py_-3di1yx0

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