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Grundschule: “Orgasmus” als Hausaufgabe

Posted By PI On 25. März 2013 @ 17:46 In Bunte Republik,Schule | Comments Disabled

Sexualkundeunterricht [1]Im Kölner Stadtteil Lindenthal gehen Eltern auf die Barrikaden. Wie der Kölner Express berichtet [2], gab es vor kurzem an der Katholischen Grundschule Lindenburger Allee für die Neunjährigen Hausaufgaben der besonderen Art: “Beschreibe was es bedeutet Sex zu haben.” Und: “Was ist ein Orgasmus?”

(Von L.S.Gabriel)

Über dieses Thema wird ja nun schon länger debattiert und in der Regel wird die Vorgehensweise bei einem Elternabend mit den Erziehungsberechtigten abgestimmt, so wie es das Schulordnungsgesetz vorschreibt. An der KGS Lindenburger Allee sei das nicht geschehen, klagen die Eltern. Der Klassenlehrer habe die Kinder und ihre Eltern mit dem Hausaufgaben-Fragebogen regelrecht „überfahren“. Das allerdings bestreitet die Schulleiterin mit dem Hinweis, dass die Eltern der betroffenen Klasse zu Schulbeginn darüber informiert worden seien, dass im zweiten Halbjahr Sexualkunde-Unterricht anstehe. Das ist etwas wenig, meinen die Eltern. Womit sie angesichts der Richtlinien für die Sexualerziehung in Nordrhein-Westfalen auch recht haben, denn dort steht:

Angesichts der Bedeutung der sexuellen Sozialisation und der sexuellen Identitätsfindung für die Persönlichkeitsentwicklung muss die Schule bei der Sexualerziehung besonderen Wert auf die Mitwirkung der Eltern legen. (..) Bedenken von Erziehungsberechtigten aus kulturellen oder religiösen Gründen sind auch deshalb besonders ernst zu nehmen, weil ein Anspruch auf Befreiung von diesem Unterricht nicht besteht.

Das wurde hier offenbar nicht sehr ernst genommen, denn die Eltern sahen sich ohne Vorwarnung mit einem, von der Schule ausgegebenen Fragebogen konfrontiert, den die Kinder als Hausaufgabe bekommen hatten. Hier einige Auszüge aus diesem Machwerk:

Mit diesem Arbeitsblatt kannst du überprüfen, ob du schon gut Bescheid weißt übers Kinderkriegen. Wenn du Schwierigkeiten hast die Fragen zu beantworten, dann lies die Geschichte „Mein Vater kriegt ein Kind“ noch einmal gut durch. (..) Es gibt verschiedene Formen von Familien. Überlegt in kleinen Gruppen, welche Familienformen es noch gibt und sprecht darüber, warum das so ist!

Warum haben Mann und Frau Geschlechtsverkehr?

Beschreibe, was es bedeutet – Sex zu haben?

Was ist ein Orgasmus?

Es gibt viele Worte für Geschlechtsverkehr, schöne und weniger    schöne. Einige hast du schon kennengelernt (Sex haben, miteinander schlafen). Welche kennst du noch? Schreibe auf.

Welche Bezeichnungen findet Ihr schön, welche nicht?

Ein entsetzter Vater sagte gegenüber dem Express:  „Das, was da gerade passiert, ist Porno-Unterricht. Dagegen wehren wir uns.“ Wenn man sich dann noch die „Richtlinien für die Sexualerziehung in Nordrhein-Westfalen [3]“, genauer ansieht, was die Schule so alles darf, dann kommt man erst recht ins Grübeln.

In Punkt 1 „Aufgaben und Ziele schulischer Sexualerziehung“, ist zu lesen:

Sexualerziehung in der Schule ist auf sinnbestimmtes und wertorientiertes Urteilen und Handeln auf der Basis von gesicherten Kenntnissen hin angelegt.

Wie genau kommen die Grundschüler zu „sinnbestimmten“ Kenntnissen während dieses Unterrichts?

Unter Punkt 5.4 Sexuelle Orientierung und Identität erfährt man:

Die Sexualerziehung dient der Ausbildung und Förderung gegenseitiger Akzeptanz unter allen Menschen, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung und Identität und den damit verbundenen Beziehungen und Lebensweisen. Sie leistet damit ihren Beitrag zum Abbau der Homosexuellenfeindlichkeit und zur Beseitigung der Diskriminierung von homo-, bi- und transsexuellen Menschen. (..) Dabei haben die Lehrerinnen und Lehrer eine „Brückenfunktion“.  (..) Abweichendes Sexualverhalten (Sadomasochismus, Fetischismus, Sodomie etc.), das unabhängig von der sexuellen Orientierung und Identität vorkommt, soll nur aufgrund von aufgeworfenen Fragen und altersangemessen behandelt werden.

Hier findet also von Rot-Grün schon in der Grundschule bis in die intimsten Lebensbereiche der Menschen eine Art „betreutes Denken“ statt. Die Kinder werden indoktriniert, ohne Rücksicht auf die Meinung der Eltern und auch ohne ihnen die Möglichkeit zu geben, erst einmal eigene Lebenserfahrung zu sammeln. Da ist es ja geradezu beruhigend, dass SM, Sodomie, Bondage usw. nur auf Nachfragen und dann „altersangemessen“ behandelt werden. Wobei es durchaus interessant wäre, wie man Hierophilie oder Agonophilie altersangemessen zu behandeln gedenkt.

Punkt 7 „Verbindlichkeit und schuleigene Arbeitspläne“ erklärt dann noch, was denn so alles zu berücksichtigen sei, nämlich:

– Verbindlichkeit der Inhalte

– Fächerübergreifende Planung und Durchführung der Sexualerziehung

– Projektunterricht – wenn sinnvoll und möglich

– Geschlechtshomogene Gruppen – wenn es die Thematik erfordert

– Mitwirkung der Eltern und der Schülervertretung (je nach Schulform verschieden)

– Kooperation mit Expertinnen und Experten sowie außerschulischen Einrichtungen auf der Grundlage dieser Richtlinien

– Einsatz von Medien und Literatur

Auch dazu entstehen wohl einige Fragen. Was meint „fächerübergreifend“ genau in der Grundschule? Sexualkunde und Turnen vielleicht? Man weiß es nicht. Die Mitwirkung der Eltern- und Schülervertreter wäre jedenfalls wünschenswert. Aber schon der nächste Punkt wirft wieder Fragen auf. Wer gilt in dem Bereich wohl als Experte? Die Liebesdienerin von der nächsten Ecke? Und worum es sich bei den „außerschulischen Einrichtungen“ handelt, lässt auch viel Spielraum für Spekulationen, ebenso wie der Einsatz von Medien und Literatur. Da könnte die eine oder andere Lehrkraft schon auf seltsame Ideen kommen.

Grundsätzlich ist aber wohl der gesamte Sexualunterricht in der Grundschule in Frage zu stellen. Kinder dieses Alters sind nur allzu leicht überfordert mit diesem Thema. Es ist ihnen peinlich, sie empfinden Scham und werden dennoch erst im Unterricht, im Kreise aller Mitschüler, damit konfrontiert und sollen sich dann auch noch ohne Lehrer, in Gruppen darüber austauschen. Und auch als Hausaufgabe wird dieser „Sexfragebogen“ nicht besser. Es ist davon auszugehen, dass die meisten Neunjährigen sich nicht mit ihren Eltern darüber beraten wollen, ob man besser „ficken“ oder „Liebe machen“ sagt. Und Eltern wird es umgekehrt auch nicht leicht fallen, ihren Kindern im Grundschulalter zwischen „Kiddycontest“ und zu Bett gehen zu erklären, dass Mama keine Schmerzen beim Orgasmus hat, auch wenn es sich so anhört. Viel besser wäre es wohl, den Kindern ihre Kindheit zu lassen und genug Vertrauen aufzubauen, dass sie dann, wenn es Fragen gibt, auch wissen, wohin sie sich wenden können. Aber die Politik ist offenbar fest entschlossen, Eltern in Bezug auf ihr Erziehungsrecht zu entmündigen.

Wer weiß, vielleicht führt der nächste Familienausflug mit den Kleinen dann gleich in den Swingerclub, als Feldforschung, gewissermaßen.


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[2] Express berichtet: http://www.express.de/koeln/fragebogen-empoert-eltern-muessen-neunjaehrige-wissen--was-ein-orgasmus-ist-,2856,22190714.html

[3] Richtlinien für die Sexualerziehung in Nordrhein-Westfalen: http://www.schlau-nrw.de/download/ext_5001.pdf